Zeche Gneisenau

  • Adresse

    Zeche Gneisenau Schacht 2/4 
    Altenderner Straße
    44329 Dortmund

  • Öffnungszeiten

    Der Zugang zum Industriedenkmal ist nur nach Absprache mit der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur möglich.  

  • Führungen

    Ein Führungsprogramm wird derzeit erarbeitet.

  • Verein

    Förderkreis Zechenkultur Gneisenau e.V.
    www.bergwerk-gneisenau.de

Das Turmgerüst. Der Senkrechtstarter.

Vis á vis des Tomson-Bocks findet man das Wahrzeichen des Dortmunder Ortsteils Derne: das zweigeschossige Turmgerüst über Schacht 4. Seine Baumeister errichteten es in den Jahren 1933/34 in Vollwandbauweise und waren gezwungen, die Streben des Gerüsts auf außergewöhnliche Art aufzustellen: nahezu senkrecht. Grund dafür waren die beiden Maschinenhäuser, die wegen beengter Platzverhältnisse nah am Fördergerüst stehen mussten. Um einen günstigen Seilneigungswinkel zu erzielen, entschlossen die Verantwortlichen, die Zwillingsdampffördermaschinen im ersten Obergeschoss der Maschinenhäuser zu installieren. Die beiden Geräte wurden 1924 und 1934 von der Gutehoffnungshütte in Oberhausen gefertigt und sind bis heute erhalten geblieben.

1873 – 1886. Die ersten Schritte.

Die Proklamation des deutschen Kaiserreiches (1871) und der folgende wirtschaftliche Aufschwung hatte kaum eingesetzt, als der heutige Dortmunder Ortsteil Derne ins Industriezeitalter eintrat. Im Jahr 1873 begannen die ersten Abteufarbeiten auf der Zeche Gneisenau. Doch statt sich über Steinkohle freuen zu können, musste die Bergbaugesellschaft zunächst gegen Wassermassen ankämpfen. Die Zuflüsse waren so stark, dass die reguläre Förderung erst 1886 beginnen konnte. Doch nun war der Weg frei und eine sagenhafte Erfolgsgeschichte begann.

1891 – 1934. Zeiten des Umbaus.

Im Jahr 1891 ging die Zeche Gneisenau in den Besitz der Harpener Bergbau-AG über. Die Verantwortlichen suchten kontinuierlich nach neuen Möglichkeiten der Erschließung von Kohlevorkommen. So erwarb die Gesellschaft verschiedene weitere Bergwerke, die sie bis zum Beginn der 1930er Jahre wieder einstellen musste. Dem Erfolg der Zeche Gneisenau tat dies keinen Abbruch. Denn Ende der 1920er Jahre begann das Unternehmen damit, das Bergwerk zu einer Großschachtanlage auszubauen. So nahm die Harpener Bergbau-AG im Jahr 1928 eine neue Großkokerei in Betrieb und legte 1931 Gneisenau mit dem Steinkohlebergwerk Scharnhorst zusammen. Ab 1934 erfolgt die Förderung der Kohle ausschließlich über den neuen Zentralförderschacht 4 auf Gneisenau.

1970. Das förderstärkste Bergwerk im Ruhrgebiet.

Es sollte noch etwas dauern, bis die Zeche als einsame Spitze der Kohleförderung des Ruhrgebiets gelten konnte. Im zweiten Weltkrieg wurde Gneisenau stark zerstört. Und doch schafften es die Beschäftigten, den Betrieb schon im Juni 1945 wieder aufzunehmen. Die Tore der Großkokerei öffneten im Jahr darauf. Die Harpener Bergbau-AG führte ihre Expansionsstrategie weiter fort und übernahm zwischen 1963 und 1964 das komplette Baufeld der Zeche Victoria.

Seit 1963 erfolgte die gesamte Förderung der Kohle auf Schacht 3, den die Verantwortlichen zum neuen Zentralförderschacht ausbauten.

Von nun an kannte das Bergwerk nur eine Richtung: hoch hinaus. Dieses Ziel erreichte Gneisenau im Jahr 1970. Mit knapp 6000 Beschäftigten und einer Jahresförderung von mehr als drei Millionen Tonnen Kohle war es zu der Zeit das förderstärkste Bergwerk im Ruhrgebiet. Die Zeche konnte dieses bemerkenswerte Ergebnis noch steigern: 1974 förderte es insgesamt über vier Millionen Tonnen und erlangte damit die höchste Jahresförderung ihrer Geschichte.

1985 – 1997. Eine Zeche im Ruhestand.

Zum 100-jährigen Jubiläum sollte es auf Gneisenau nicht mehr kommen. Denn 1985, also 99 Jahre nachdem das Werk die erste Kohle förderte, erfolgten der Anschluss an das Bergwerk Haus Aden sowie die sukzessive Stilllegung. Die Kokerei war noch bis 1989 in Betrieb. Das Zechenkraftwerk beendete seine Arbeit ein Jahr später. Wo einst zahlreiche Hallen, Schlote und Gerüste standen, blieben nach den Abbrucharbeiten nur noch wenige Übertageanlagen erhalten. Der Tomson-Bock mit der Schachthalle über Schacht 2 und das Turmgerüst über Schacht 4 stehen gemeinsam mit den zugehörigen Maschinenhäusern seit 1989 unter Denkmalschutz. Im Jahr 1995 gingen die Anlagen in das Eigentum der Industriedenkmalstiftung über und konnten so vor dem Abbruch bewahrt werden.

Ort der Begegnung. Die Nutzung heute.

Das Denkmalensemble ist ein geschichtsträchtiger Baustein in dem „Sanierungsgebiet Derne“ und wird eingebunden in die Entwicklungskonzepte für diesen nördlichen Stadtteil (weitere Informationen unter folgendem Link). Der Förderkreis Zechenkultur Gneisenau e.V. belebt die Anlage kontinuierlich mit verschiedensten Projekten. Dieses Engagement macht das Maschinenhaus zum beliebten Anlaufpunkt im Stadtteil Derne. Zudem dient es als Veranstaltungsort für Kultur und Freizeit und begeistert Menschen aus der gesamten Region.

Gebäude

Schacht 2

1 Schachthalle mit Maschinenhaus 1886

Schacht 4

2 Maschinenhäuser 1933

Bauzeit:

1886 Fördergerüst und Schachthalle
mit Maschinenhaus (Schacht 2)
1933/34 Turmgerüst und
Fördermaschinenhäuser (Schacht 4)

Stilllegung

1985

Industriedenkmal

seit 1989

Stiftungsstandort

seit 1997

Grundstück

7.500 m²

Technische Anlagen / Maschinen

Schacht 2

1 Fördergerüst (Tomson-Bock) 1886
1 Elektrofördermaschine

Schacht 4

1 Turmgerüst 1933/34
2 Zwillingsdampffördermaschinen 1924 (südl.) und 1934 (nördl.)

Restaurierungs-, Sanierungs- und Baumaßnahmen

1999–2008

Dach- und Fachsanierung des Fördergerüsts
mit Schachthalle (Schacht 2)

2007

Sicherung der Attika-Bereiche an den Fördermaschinenhäusern
(Schacht 4)

2012

Reinigung und Konservierung der
Fördermaschine (Nord)
Umnutzung zur Versammlungsstätte
(Maschinenhaus Nord)

2013

Dachabdichtungs- und Dachentwässerungsarbeiten
an den Maschinenhäusern (Schacht 4)