Welterbeprojekt

Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet. Ein Vorschlag für das Welterbe der UNESCO.

Die „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ für ein UNESCO-Welterbe zu qualifizieren, ist ein zentrales Anliegen der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Zusammen mit ihren Partnern, dem Regionalverband Ruhr, dem Landschaftsverband Rheinland, dem Landschaftsverband Westfalen und der Emschergenossenschaft und dem externen Berater Barry Gamble (UK) beteiligt sich die Industriedenkmalstiftung am Interessenbekundungsverfahren des Landes Nordrhein-Westfalen zur Fortschreibung der deutschen Tentativliste zur Nominierung für die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes. In diesem Rahmen hat sie am 14. Januar 2021 eine Bewerbung im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen eingereicht.
 

Für eine Bewerbung zur Aufnahme der „Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ in die deutsche Tentativliste bedarf es eines Entwurfs zum außergewöhnlichen universellen Wert (Outstanding universal Value = OUV). Der OUV ist durch materielle Zeugnisse zu belegen, die authentisch und/oder echt sind. Außerdem muss er einem internationalen Vergleich standhalten und – bei einem vorgeschlagenen Kulturerbe – durch mindestes eins von sechs UNESCO-Kriterien gestützt werden. Des Weiteren muss die Bewahrung eines Welterbe-Guts durch einen Schutz- und Managementplan gesichert sein.
 

Im Entwurf zum OUV wird als wesentliches Merkmal zunächst die Prägung der Ruhrgebietslandschaft durch eine großmaßstäbliche Schwerindustrie im Zeitraum zwischen den 1850er und 1960er Jahren herausgestellt. Das Ruhrgebiet hatte sich in den 1870er Jahren zur größten Region für den Abbau von Steinkohle und die Herstellung von Koks auf dem europäischen Festland entwickelt. Um 1900 war die Region der größte Stahlproduzent in Europa. Zudem wies das Gebiet in jener Zeit das dichteste industrielle Verkehrsnetz in Europa auf und verfügte über eine der weltweit größten Entwicklungen von industriebedingten Wohnsiedlungen.
 

Ein weiteres Charakteristikum wird in der engen Vernetzung der wichtigsten Industriebranchen von Kohle, Koks, Eisen und Stahl gesehen, die in Unternehmensstrukturen ebenso ablesbar ist wie in der physischen Verknüpfung von Produktionsstufen.
 

Darüber hinaus hebt der Entwurf als Kennzeichen für das Ruhrgebiet eine radikale Überformung der Landschaft von außergewöhnlicher Größe hervor, mit Strukturen, die von Menschenhand geschaffen beziehungsweise durch die Industrie verursacht sind, wie die Aufschüttungen (Halden) und Absenkungen (Polder). Eine besondere Rolle kommt auch dem Abwasser-Management-System der Emscher zu als Beleg für ein frühes, weitsichtiges ökologisches Handeln in einem industrielandschaftlichen Kontext.
 

Schließlich richtet der Entwurf zum OUV der Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet das Augenmerk auf die Industriekultur, die aus den Produktions- und Lebensbedingungen in der Montanindustrie hervorging, das regionale Bewusstsein geprägt hat, bis heute identitätsstiftend ist und – kontinuierlich und nachhaltig gemanagt – ein wesentliches Merkmal der Region darstellt. Vor diesem Hintergrund wird das Ruhrgebiet als Europas Musterbeispiel für das großmaßstäbliche Erbe der Montanindustrie hervorgehoben. Im Falle der vorgeschlagenen „Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ sind (Um)-Nutzung und Weiterentwicklung der Landschaft wesentliche Bestandteile des OUV.

 

Fortschreibung der deutschen Tentativliste zur Nominierung für die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes

Zeitplan zum Verfahren

09.2019           Beschluss der Kultur-MK zur Fortschreibung der deutschen Tentativliste

12.2019           Ausrufung des NRW-Interessenbekundungsverfahrens

07.2020           Start des Abstimmungsprozesses mit den Kommunen für den Vorschlag
                        Welterbe-Projekt „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“

15.01.2021      Frist Abgabe NRW-Interessenbekundungsverfahren für die Bewerbung „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“

 

01.10.2021      Prüfung durch Fachjury / MHKBG und Entscheidung der Landesregierung NRW (Kabinettbeschluss)

10.2021           Einreichung von Bewerbungen durch die Länder bei der Kultur-MK

03.2023           Vorlage des Abschlussberichts des Fachbeirats der Kultur-MK

10.2023           Beschluss der Kultur-MK

01.2024           Einreichung der deutschen Tentativliste bei der UNESCO

01.2025           Einreichung des ersten Antrags der deutschen Tentativliste beim Welterbe-Zentrum der UNESCO

 

Weitere Informationen in Kürze auf dieser Seite.

Ein Projekt der:
Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

in Zusammenarbeit mit:

· Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen (MHKBG)
· Regionalverband Ruhr (RVR)
· Landschaftsverband Rheinland (LVR)
· Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
· Emschergenossenschaft (EG)
 

Kontakt

Dr. Marita Pfeiffer 

0231 931122-41
pfeiffer@industriedenkmal-stiftung.de
 

Broschüre "Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet"

 

Hier finden Sie die Broschüre zum Download als pdf:

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