Zeche Fürst Leopold

Eine faszinierende Zeitreise.

Die Spuren vergangener Tage sind noch überall auf dem Gelände der Zeche Leopold zu entdecken. Dazu zählt auch das eingeschossige Einstrebengerüst der Bauart Promitz 2. Die Konstrukteure errichteten es in den Jahren 1912/13. Eine Besonderheit stellt die Fachwerkbauweise mit vier nebeneinanderliegenden Seilscheiben dar. Direkt an die Anlage angeschlossen ist ein Doppelfördermaschinengebäude, das aus zwei nebeneinander platzierten Maschinenhäusern besteht.

Besucher können die erhaltene historische Ausstattung der Bauwerke näher unter die Lupe nehmen:

So erwarten sie zwei Zwillingstandemdampffördermaschinen mit den dazugehörigen Maschinenführerständen und handbetriebenen Kranbahnen. Eine der Maschinen wurde wieder in Gang gesetzt und wird im Rahmen von Führungen vorgeführt. Zudem lohnt sich auch ein Blick ins Innere der Maschinenhäuser. Denn dort hat man die Gelegenheit, Wand- und Bodenfliesen aus dem frühen 20. Jahrhundert zu betrachten – und den Arbeitsalltag der Kumpel nachzuempfinden.

Die Meilensteine. Wer, wie, wann.

Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten die ersten Tiefenbohrungen in der Umgebung von Dorsten. Damit überquerte der Steinkohlebergbau die Lippe nach Norden und erreichte den Nordrand des Ruhrgebiets. Ein einschneidendes Ereignis für die Menschen der Region – und ein lukratives Geschäft für die Unternehmen der Montanindustrie. Ab 1918 hatte der Dortmunder Hoesch-Konzern die Verantwortung für die Zeche. Er trieb die Entwicklung des Bergwerks kontinuierlich an und führte es 1931 mit der Zeche Baldur zusammen – dem ersten Dorstener Steinkohlebergwerk. Im Jahr 1968 ging der Verbund Leopold-Baldur in den Besitz der Ruhrkohle AG über. Die Verantwortlichen suchten unaufhörlich nach Möglichkeiten zur weiteren Erschließung von Kohlevorkommen und erweiterten den Verbund im Jahr 1982 um die dritte Zeche im Dorstener Stadtgebiet: die Zeche Wulfen. In der folgenden Zeit schufen die Entscheidungsträger das Verbundbergwerk Lippe und erweiterten es 1998 um die Gelsenkirchener Zeche Westerholt. Drei Jahre später, am 17. August 2001 kamen die Förderbänder zum Stillstand und das Bergwerk schloss seine Tore. Ein kleiner Spalt blieb jedoch offen. Denn bis Ende 2017 diente der Schacht 2 als Standort für die Zentrale Wasserhaltung der RAG Aktiengesellschaft im Ruhrgebiet.

Unvergessen. Die Zeche als Denkmal.

Aufgrund ihrer immensen historischen und gesellschaftlichen Bedeutung erfolgte im Jahr 2004 die Eintragung der Anlage in die Denkmalliste der Stadt Dorsten. Die Stiftung Industriedenkmalpflege kümmert sich seit 2011 um das Fördermaschinenhaus und übernahm vier Jahre darauf das Fördergerüst in ihr Eigentum.

Erlebnisreich. Die Zeche als Entdeckungsort.

Heute fördert die Zeche Leopold etwas ganz Besonderes: die Neugier und das Wissen der Menschen. Die Anlage ist ein lebendiger Ort der Begegnung, Erfahrung und des außerschulischen Lernens. So arbeitet der Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte e.V. eng mit der Stiftung Industriedenkmalpflege zusammen und bietet ganzjährig industriehistorische und stadtteilbezogene Führungen sowie Veranstaltungen an. Der Verein nutzt zudem das erhaltene Doppelförder-Maschinenhaus und gewährt dort faszinierende Einsichten, sogar standesamtliche Trauungen sind hier möglich. Ein weiteres Highlight auf dem Gelände: das Leopold-Regal.

http://bergbau-dorsten.de/

Gebäude

1 Doppelförder-maschinenhaus

1912 (östl.) und 1914 (westl.)

Bauzeit

1912/14 Doppelfördermaschinenhaus

Ende der Förderung

2001

Stilllegung

2008

Industriedenkmal

seit 2004

Stiftungsstandort

seit 2011

Grundstück

2.237 m²

Technische Anlagen / Maschinen

1 Fördergerüst

1912/13

2 Zwillingstandemdampfförder- maschinen

1912 (östl.) und
1915 (westl.)

Restaurierungs-, Sanierungs- und Baumaßnahmen

2013–2015

Sanierung und Umnutzung des Maschinenhauses

2014–2015

Dynamisierung der dampfbetriebenen Förder-
maschine Einbau einer Empore zur Nutzung als
Ausstellungsraum und Versammlungsstätte

2017

Eröffnung der Dauerausstellung Leopold-Regal