Kokerei Zeche Zollverein
1998 – 2010
Der nächste Schritt. Eine immense Steigerung.
1969 wurde die Kokerei in die neu gegründete Ruhrkohle AG eingebracht. Und die Verantwortlichen hatten offenbar schon sehr früh einen unmissverständlichen Gedanken: Da geht noch mehr. Viel mehr. Denn bereits zwei Jahre später – im Jahr 1971 – präsentierten sie Pläne zur Vergrößerung der Produktionsstätte. Diese sahen vor, die Kokerei um zwei neue Ofenbatterien mit je 56 Koksöfen zu erweitern. Dadurch wurde die Produktionsleistung um nahezu 50 Prozent gesteigert. Oder genauer: Dank der Erweiterung produzierte der Standort bis zu 8.600 Tonnen Koks aus rund 11.000 Tonnen eingesetzter Kohle – täglich wohlgemerkt. Im Jahr 1973 war der Ausbau abgeschlossen – und die Kokerei Zollverein wurde zu einer der weltweit größten Anlagen ihrer Art.
Die Wurzeln der Kokerei. Ein Blick weit in die Vergangenheit.
Auch wenn die Kokerei im Zeitraum von 1957 bis 1961 entstand, müssen wir von da an noch einmal 100 Jahre zurückgehen, wenn wir uns die Anfänge der Kokserzeugung auf der Zeche Zollverein anschauen möchten. Zurück in das Jahr 1857. Die Gründung des Deutschen Kaiserreich lag noch in ferner Zukunft und Kaiser Wilhelm der II war nicht einmal geboren. Und obwohl der damalige Aufschwung der Bergbauindustrie gerade einen Dämpfer durch die internationale Weltwirtschaftskrise von 1857 erfahren hatte, nahmen trotzdem in diesem Jahr die ersten Koksöfen auf der Schachtanlage 1/2 ihren Betrieb auf. Erst 38 Jahre später, im Jahr 1895, folgten die nächsten Öfen auf der Schachtanlage 4/5, bevor im Jahr 1914 die Kokerei auf der Schachtanlage 3/7/10 entstand.
Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs inmitten der Weimarer Republik im Jahr 1926 ging die Zeche Zollverein in den Besitz der neugegründeten Vereinigten Stahlwerke AG über. Der montanindustrielle Großkonzern entstand durch den Zusammenschluss verschiedener Unternehmen der Kohle- und Stahlindustrie und rief ein umfangreiches Neubauprogramm ins Leben. Dabei gaben die Verantwortlichen auch zahlreiche neue Groß- und Zentralkokereien in Auftrag und ließen die Kokereien der Zeche Zollverein sukzessive außer Betrieb nehmen. Lediglich die Kleinstkokerei der Schachtanlage 1/2 führte ihre Produktion bis Ende des Jahres 1953 fort. Vier Jahre später war es dann so weit: Die Errichtung der Kokerei Zeche Zollverein begann.
Stilllegung und Neuanfang. Die Kokerei Zollverein heute.
Es war an einem sonnigen Mittwoch, dem 30.06.1993, an dem die Kokerei ihre Produktion für immer beendete. Doch schon fünf Jahre später erlebte sie ihren Neubeginn. Denn 1998 nahm die Stiftung Industriedenkmalpflege die Schwarze Seite und einen kleinen Teilbereich der Weißen Seite in ihr Eigentum auf. In den Jahren nach 1998 erfolgten zahlreiche Umbauten. Die Historie des Standorts blieb für Jung und Alt erlebbar. So bauten die Verantwortlichen einen Besucherparcour am Wiegeturm, nutzten das Salzlagers zur Ausstellungshalle um und errichteten eine Eisenbahn.
Schließlich – am 14. Dezember 2001 – nahm die UNESCO sowohl Schacht XII als auch Schacht 1/2/8 samt der Kokerei als „Industriekomplex Zeche Zollverein“ in ihre Welterbeliste auf. Im Oktober 2010 übertrug die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur das Denkmal an die Stiftung Zollverein, in deren Obhut sich nun der gesamte Welterbestandort befindet.
Heute ist das Gelände der Kokerei zum Teil öffentlich begehbar – und ermöglicht seinen Besuchern, die wichtigsten Stationen der Koksproduktion im Rahmen spannender Führungen hautnah zu erleben. Für eine pulsierende Atmosphäre voller Vielfalt und neuer Impulse sorgen die zahlreichen Ansiedlungen von Design, Gewerbe, Kunst und Kultur, die dem historischen Standort neues Leben auf internationalem Niveau einhauchen – eben ganz im Sinne des legendären Architekten der Kokerei Zeche Zollverein Fritz Schupp.