Zu den vordringlichsten Aufgaben der Stiftung zählen Sicherungsarbeiten sowie Dach- und Fachsanierungen an den denkmalgeschützten Gebäuden. Bei den Sicherungs- und Sanierungsarbeiten wird nach Dringlichkeit und Verfügbarkeit der Finanzmittel vorgegangen. Der Handlungsbedarf ist bei Objekten, die vor Übernahme durch die Stiftung schon längere Zeit stillgelegt waren, entsprechend hoch, denn die mitunter über Jahre hin ungenutzten Bauten sind dem Verfall und oft auch dem Vandalismus ausgesetzt. Die Erhaltung von historischen Industrieanlagen in ihrer Gesamtheit oder auch in Teilbereichen stellt die Denkmalpflege oftmals vor große Probleme. Während beim Umgang mit dem Gebäudebestand in der Regel auf die vielseitigen Erfahrungen in der Baudenkmalpflege zurückgegriffen werden kann, ist der Umgang mit den stillgelegten technischen Anlagen der Großindustrie noch wenig erprobt. Große Probleme bereiten zum Beispiel die chemischen Produktionsstätten auf den Kokereien. Noch gibt es wenige Erkenntnisse über den Umgang mit den stillgelegten Rohrleitungen, Behältern und Apparaten, die die Funktionsabläufe im Bereich der Kohlenwertstoffgewinnung anschaulich dokumentieren. Dem Erhaltungswunsch stehen außerdem gravierende Finanzierungsprobleme entgegen. Da die technischen Anlagen unter freiem Himmel Wind und Wetter ausgesetzt sind, schreitet der Verfall schnell voran. Wie geht man damit um? Die derzeitigen Konzepte reichen von der Erhaltung wesentlicher Funktionsbereiche und Knotenpunkte bis hin zum sogenannten "kontrollierten Verfall". Letzterer sieht nur wenige sichernde Eingriffe am Bestand vor. Diese Vorgehensweise ist jedoch nur dann praktizierbar, wenn zum Beispiel durch den Zerfall einer Rohrleitung oder auch eines ganzen Gebäudes keine Gefahrenstoffe an die Luft oder den Boden abgegeben werden. Ansonsten muss eine Sanierung oder aber eine Demontage erfolgen. Der Vorteil des kontrollierten Verfalls oder besser: des kontrollierten Rückbaus liegt darin, dass die Bauten und Anlagen vor einem Abriss bewahrt werden, der die Substanz vollständig und unwiederbringlich vernichten würde. Dass auch verfallende und verfallene Bauwerke neue Fragen aufwerfen und wertvolle Quellen für spätere Generationen sein können, beweisen Fachdisziplinen wie die Archäologie tagtäglich. Auf der Kokerei Zollverein in Essen wird die partielle Erhaltung des komplexen Rohrleitungssystems in Erwägung gezogen, bei gleichzeitiger Demontage jener Anlagenteile, die zum Verständnis der ursprünglichen Funktionsweise nicht unbedingt notwendig sind. Die Auswahl muss sorgfältig und unter Anweisung von Fachleuten erfolgen. Auf der Kokerei Hansa in Dortmund werden Erhaltung und Verfall nebeneinander praktiziert. Während die denkmalgeschützten Produktionsanlagen von 1928 erhalten werden, überlässt man Objekte, die nicht unter Schutz stehen, dem Verfall und der Natur, wie zum Beispiel die Koksofenbatterie III oder der innere Gleisbereich der Kokerei. Obwohl der Bestand dezimiert wird, können diese sogenannten Verfallsbereiche insgesamt noch über Jahre und Jahrzehnte mehreren Generationen Auskunft geben zum Beispiel über Dimensionen, Anordnungen und Baumaterialien der einstigen großindustriellen Anlage. Vielleicht werden aber auch in den nächsten Jahren neue Strategien entwickelt, mit den Verfallsbereichen umzugehen. Flexibilität im Denken und Handeln sind somit derzeit und zukünftig die Grundvoraussetzungen für einen adäquaten Umgang mit Arealen der Schwerindustrie.
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