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Zur Geschichte der Industriedenkmalpflege in NRW
HISTORISCHE WURZELN  
 
Dem Berufsstand der Ingenieure ist es wohl zu verdanken, dass die Bauten der Technik und Industrie in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerieten. Um auf ihre reichen Traditionen aufmerksam zu machen und die berufsspezifische Geschichte zu pflegen, engagierten sich die Ingenieure für die Dokumentation insbesondere von technischen Bauten und Anlagen, die sie in zahlreichen Publikationen interessierten Fachkreisen und der Öffentlichkeit zugänglich machten. Oskar von Miller, Ingenieur und Direktor des 1903 in München gegründeten Deutschen Museums, das sich den „Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik“ widmete, prägte um 1915 den Begriff des "Technischen Kulturdenkmals". Bezeichnet wurden damit vor allem Bauten und Anlagen der vorindustriellen Epoche, wie Wasserräder, Windmühlen, Brücken, Krane, Schmieden, Webstuben etc.  
Zu den ersten technischen Anlagen, die in Deutschland aus denkmalschützerischen Gründen vor einem Abbruch gerettet wurden, zählt der Frohnauer Hammer bei Annaberg im Erzgebirge. Erst als sich das Deutsche Museum 1907 für die Übernahme der Anlage interessierte, entstand eine Bürgerinitiative, die sich erfolgreich für den Erhalt vor Ort einsetzte. Nach umfangreicher Restaurierung wurde das Ensemble mit Hammergebäude und Wohnhaus schließlich im Jahre 1925 als Schauanlage eröffnet.  
 
Seit den 1910er Jahren widmeten sich Denkmalpfleger und Ingenieure in Deutschland explizit auch der Darstellung zeitgenössischer Industriebauten. Bemerkenswert ist das Engagement des "Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz", der in seiner Zeitschriftenreihe bereits 1910 das Themenheft "Industriebauten" herausgab. Neben historischen Fabriken und Manufakturen wurden zeitgenössische industrielle Gebäude präsentiert und gestalterische Qualitäten herausgestellt. Im Unterschied zu den ursprünglichen Positionen der Heimatschutzbewegung, die sich dezidiert gegen die Eingriffe der Industrieanlagen und des Verkehrs in die Landschaft aussprach, zeigte sich der Rheinische Verein in der Akzeptanz neuer Industriebauten offen. Fortschrittlich und vorausschauend urteilte 1925 auch der Rheinische Provinzialkonservator, Paul Clemen, indem er bemerkte, dass vielleicht den späteren Kultur- und Kunsthistorikern im Rückblick auf das erste Viertel des 20. Jahrhunderts "nicht die repräsentativen Hochbauten im alten Sinne, sondern die monumentalen Werkbauten als die eigentlich charakteristischen Denkmäler erscheinen" werden.  
 
Einer der ersten Fälle, in denen denkmalschützerische Bestrebungen zum Erhalt einer größeren Industriehalle in Deutschland galten, war die heute noch erhaltene Gießerei der Sayner Hütte bei Koblenz von 1828-30. Als nach der Stilllegung 1926 Verfall und Abbruch drohten, setze sich der Provinzialkonservator der Rheinprovinz für das Bauwerk ein, das aufgrund seiner Konstruktion aus gusseisernen Fertigteilen als Glanzstück der Architektur und Technik gewürdigt wurde. 1929 wurde das Bauwerk unter "Denkmalschutz" gestellt und 1936 eine finanzielle Beihilfe für erste Sicherungsarbeiten gewährt.  
 
In den 1930er Jahren ließ sich in Deutschland nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten insbesondere das volkskundlich ausgerichtete Interesse an der Technik problemlos in die Ideologie des Dritten Reiches einbinden. Es erschienen weiterhin Überblickswerke zu Technischen Denkmalen, zum Beispiel in Oberschlesien 1935/36 und in Brandenburg 1937. Das Badische Landesdenkmalamt richtete 1936 ein spezielles Verzeichnis zu "Denkmälern der Technik" ein. Auch die 1931 von Wilhelm Claas begonnene Konzeption für das Freilichtmuseum in Hagen wurde unter den Nationalsozialisten bis 1936 fortgeführt. 1939 schließlich entstand in Kassel das "Landesamt für Kulturgeschichte der Technik", das als eine Art volkskundlich-technische Behörde fungierte.  
 
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten die Bauten der Technik und Industrie auf dem Gebiet der BRD aus denkmalpflegerischer Hinsicht ins Abseits. Alle Anstrengungen galten dem schnellen Wiederaufbau und dem stark in Mitleidenschaft gezogenen Bestand der Bau- und Kunstdenkmale. Anders verlief die Entwicklung in der damaligen DDR. In Sachsen begann man bereits in den 1950er Jahren mit der systematischen Erfassung von technischen und industriellen Denkmalen. Schon 1952, lange vor vergleichbaren Denkmalgesetzen in der Bundesrepublik, schuf die DDR mit ihrer Denkmalschutzverordnung eine gesetzliche Grundlage zum Schutz wertvoller technischer und industrieller Anlagen. Außerdem wurde 1952 im Landesdenkmalamt Dresden eine Mitarbeiterstelle für technische Denkmale eingerichtet. Ab 1961 wurden in der gesamten DDR technische Denkmale erfasst.  
 
Anregungen zur Beschäftigung mit dem industriellen Erbe in Westdeutschland kamen aus England. Dort, wo die Industrialisierung um 1750 ihren Anfang genommen hatte, engagierten sich zweihundert Jahre später Denkmalschützer, Laien und Wissenschaftler, vor allem aus dem Bereich der Archäologie, für die Relikte der Technik und Industrie und lenkten das Augenmerk der Öffentlichkeit und Politik auf das bedrohte industrielle Erbe.  
 
Sie begannen mit der Erfassung, Dokumentation und historischen Einordnung der industriellen Bauten und begründeten die "Industrial Archaeology" als wissenschaftliche Disziplin zur Erforschung der gegenständlichen Hinterlassenschaften der Industrialisierung. Die Industriearchäologie etablierte sich in wissenschaftlichen Gesellschaften und informierte die Öffentlichkeit durch Zeitschriften und Publikationen über das große industrielle Erbe des Landes.  
 
Zunehmend widmeten sich auch die Museen in den einstigen Industriezentren der Erschließung industriearchäologischer Gegenstände und der Vermittlung technik-, wirtschafts- und sozialgeschichtlicher Themen. An der ersten eisernen Brücke der Welt, der Ironbridge über den Fluss Severn nahe der britischen Stadt Coalbrookdale wurde 1967 der "Ironbridge Gorge Museum Trust" gegründet. Mit seinem "Ironbridge Institute" entwickelte er sich zu einem Zentrum für industriearchäologische Forschung und Lehre. In der Folge wurden an verschiedenen Universitäten in Großbritannien industriearchäologische Forschungsbereiche etabliert. Umfassende, zum Teil 20-bändige Werke und Buchreihen zur Industriearchäologie zeugen von dem großen Enthusiasmus dieser neuen Disziplin.  
Von England breitete sich die industriearchäologische Bewegung in den 1970er Jahren in die USA und dann auch nach Europa aus. Die erste internationale Organisation der Industriearchäologie, "The International Committee for the Conversation of Industrial Heritage" (TICCIH), wurde ins Leben gerufen und 1973 startete der erste Internationale Kongress in Ironbridge.  
 
 
DIE ANFÄNGE DER INDUSTRIEDENKMALPFLEGE IN NRW  
 
Es war kein Zufall, dass die zweite internationale TICCIH-Konferenz 1975 in Deutschland stattfand. Eine Schlüsselrolle spielte dabei die Rettung der Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen. Die Schachtanlage war infolge der Bergbaukrise der 1960er Jahre unrentabel geworden und sollte, einschließlich der Maschinenhalle, abgerissen werden. Doch es kam anders. Als ein Artikel in der Zeitschrift „Bauwelt“ im Mai 1969 die im Jugendstil erbaute Maschinenhalle der Zeche Zollern als "Entdeckung des Jahres" vorstellte, regte sich in der Bevölkerung Unmut gegen den geplanten Abriss. Im Oktober 1969 wandten sich engagierte Bürger in einem Schreiben an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn. Sie wiesen ihn auf den drohenden Verlust "eines bedeutenden Industriebauwerks des Ruhrbergbaus" hin und baten ihn, die Maschinenhalle als "ein Stück der überlieferten Industrielandschaft zu erhalten".  
 
Das Bürgerbegehren führte erstaunlich rasch zu politischem Handeln auf Landesebene. Die Maschinenhalle und weitere Gebäude der Schachtanlage Zollern II/IV wurden vor dem Abbruch bewahrt. Auf Initiative des Kulturausschusses des nordrhein-westfälischen Landtages erklärte die Landesregierung in dem 1970 verabschiedeten, auf fünf Jahre angelegten "NordrheinWestfalenProgramm 1975", zukünftig die Erhaltung von Bauwerken zu sichern, die für die Technik- und Wirtschaftsgeschichte des Landes charakteristisch seien. Als Beispiele wurden "Fördertürme, Maschinenhallen, Schleusen und Schachtgebäude" genannt. Neben vorindustriellen technischen Denkmalen waren damit explizit auch Bauwerke und Anlagen der Hochindustrialisierung genannt. Erstmals in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus in der Bundesrepublik Deutschland wurden Sondermittel in Höhe von zwei Millionen DM für die Erhaltung von technik- und wirtschaftsgeschichtlich relevanten Denkmalen in den Landeshaushalt eingestellt.  
 
An das Westfälische und das Rheinische Amt für Denkmalpflege erging der Auftrag, technische Denkmale zu erforschen und zu inventarisieren. Dazu besetzten beide Ämter 1973 und 1974 die ersten Planstellen für Industriedenkmalpflege in Deutschland. Ausgehend von diesen beiden Denkmalämtern begann in Nordrhein-Westfalen eine weitgehende, bundesweit beispielhafte Reform des Denkmalschutzes.  
 
1975 erschien zum internationalen Kongress der Industriearchäologie in Bochum ein Überblick über "Technische Denkmale der Bundesrepublik Deutschland" und 1976 boten die Arbeithefte des Landeskonservators Rheinland eine erste Übersicht über "Technische Denkmale im Rheinland". Auch in anderen Bundesländern wurden entsprechende Publikationen erarbeitet, so dass in den 1980er Jahren in fast allen deutschen Industrieregionen Überblickswerke zu technischen und industriellen Denkmalen vorlagen.  
 
Nordrhein-Westfalen kam weiterhin eine besondere Rolle zu. Zwar wurde hier, später als in anderen Bundesländern, erst 1980 das nordrhein-westfälische Denkmalschutzgesetz verabschiedet, doch enthielt es mit dem Bezug auf die "Entwicklung der Produktions- und Arbeitsverhältnisse" die weitreichendste Formulierung zum Schutz des industriellen Erbes.  
 
Ein wichtiger Grund, der eine Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften der Industrie begünstigte, war das Umdenken im Bereich der Stadtsanierung und Baudenkmalpflege seit den ausgehenden 1970er Jahren. Zunehmend wurden Industrieanlagen und Bauten des Verkehrs als historische Bestandteile der Städte wahrgenommen.  
 
Mit der Verlagerung von Industrie- und Gewerbegebieten an die Stadtränder standen veraltete innerstädtische Industrieareale zur Disposition. Beispielhafte Umnutzungen von Fabrikbauten oder Hafenanlagen zu geräumigen Wohnungen, den sogenannten "Lofts", in Boston oder New York sollten bald auch in Europa möglich werden. Auch in Deutschland wurden Industriebauten allmählich als Raumreserven für Wohnungen und Büros erkannt. Aufgrund ihrer Lage und Größe eigneten sie sich besonders für kulturelle Nutzungen. Viele Soziokulturelle Zentren der 1970er Jahre waren in ehemaligen Industriebauten untergebracht (z.B. Zeche Carl in Essen, 1979; das „Stollwerk„ in Köln, 1981; der Bahnhof Langendreer, 1985).  
 
In Bezug auf die Erhaltung stillgelegter Industrieanlagen gewann allmählich das Argument der regionalen Identität an Bedeutung. So wurden zunächst Arbeitersiedlungen und später auch Industrieanlagen wie Zechen, Stahlwerke und Kokereien als identitätsstiftende Wahrzeichen eines Stadtteils oder einer ganzen Region erkannt. Allerdings galt es, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die "sperrigen" Monumente der Schwerindustrie für die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen einen vergleichbaren Stellenwert haben wie etwa die Schlossbauten für das Land Bayern.
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