Industriedenkmal-Stiftung
Industriedenkmal-Stiftung NRW, 26.05.2018 09:35
www.industriedenkmal-stiftung.de/docs/0000970756524_de
Industrienatur auf Hansa
Natur und Technik  
Birkenhaine. Zwölf Meter über dem Erdboden.  
Südafrikanisches Greiskraut und blauer Natternkopf an stillgelegten Bahngleisen. Libellen über Wasserbecken, Vogelgezwitscher zwischen rostigen Rohren, Falken in den Lüften. Kaum zu glauben, aber wir befinden uns auf der Kokerei Hansa, einst wichtiger Standort der Schwerindustrie im Verbund zwischen Dortmunder Zechen und Stahlwerken. 1992 stillgelegt, ist die Anlage heute ein faszinierendes Industriedenkmal und zugleich ein Eldorado der Natur!  
 
Natürlich oder künstlich?  
Über einen langen Zeitraum hinweg sind auf industriellen Standorten wie Zechen, Kokereien und Hüttenwerken durch Aufschüttungen aus Schlacken, Bergematerial, Staub, Asche oder Bauschutt‚ künstliche Böden entstanden. Sie können nur wenig Wasser speichern und sind arm an Nährstoffen. Außerdem bewirken ihre hohen Anteile an dunklen Materialien, wie z.B. Kohlenstaub, bei Sonneneinstrahlung eine schnellere Erwärmung als bei den Böden der Umgebung. Hitze, Wassermangel und Nährstoffarmut - das sind nicht gerade verlockende Voraussetzungen für die Ansiedlung von Lebewesen. Dennoch gibt es viele Pflanzen und Tiere, die es mit den schwierigen Bedingungen auf Industriebrachen aufnehmen und eine artenreiche ‚Industrienatur‘ entstehen lassen.  
 
Domizil für Flüchtlinge  
Die Industriebrache Hansa bietet ‚Flüchtlingen‘ ein neues Zuhause oder übergangsweise ein Quartier. Aus Nachbars Garten kamen der eigentlich aus China stammende Sommerflieder sowie die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Nachtkerze und Goldrute hierher. Der Dreifinger-Steinbrech floh aus dem felsigen Gebirge, um auf Hansa eine Bleibe zu finden. Doch ihm wird es, einmal angesiedelt, schnell wieder zu eng. Sind die offenen Böden zugewachsen, sucht er das Weite. Auch Flüchtlinge vom Mittelmeer, wie z.B. der Klebrige Alant und der Klebrige Gänsefuß mögen den nährstoffarmen, warmen Boden auf Hansa.  
 
Denkmal und Industrienatur  
Die 1928 erbaute Kokerei Hansa steht seit 1998 unter Denkmalschutz. Sukzessive wurden seitdem Bauten und technische Anlagen instand gesetzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf Hansa bilden Denkmal und Natur ein einzigartiges und faszinierendes Miteinander, das im Rahmen von Führungen hautnah erlebt werden kann. Im Nordosten der Kokerei sind einige Bereiche als Industriewaldflächen ausgewiesen, die im Auftrag der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur vom Projekt Industriewald Ruhrgebiet betreut werden. Dieses betreibt hier aber keine Forstwirtschaft im traditionellen Sinn, sondern überlässt die Flächen der Natur, die sich auf diese Weise weitgehend unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen entfalten kann. Wer zuerst kommt ...  
 
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